Die Kuh ist kein Klimakiller

Buch von Dr. med. vet. Anita Idel

Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können

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Anita Idel war Referentin an den EM-Tagen 2013 auf der Fraueninsel und erstaunte mit ihren Aussagen so manchen eingefleischten Landwirt aber ebenso die Nichtlandwirte. Denn wenn wir ehrlich hinterfragen, wissen wir doch schon immer, wer der tatsächliche “Klimagefährder” ist.
Die Kuh als Klimakiller: Diese griffige Alliteration gehört längst zum allgemeinen Klimawissen, vermutlich, weil es einleuchtend und lustig klingt, dass Kühe rülpsen und diese Rülpser das Klima gefährden. Denn dabei entweicht Methan, und das ist 25 Mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Rinder tragen also erheblich zur globalen Erderwärmung bei, so die Schlussfolgerung. Und so wird das Abgas aus der Kuh zum Argument zur Entlastung der persönlichen Klimabilanz: Wenn Kühe so gefährlich sind fürs Klima, kann ja jede und jeder ruhig weiter Autofahren!
Aber das ist nur ein Halbwissen, das von den eigentlichen Problemverursachern ablenkt, erklärt die Berliner Tierärztin Anita Idel in ihrem Buch ,,Die Kuh ist kein Klima-Killer!”

In Neugier genügt erläutert sie ihre These und erzählt, warum sie Rinder und Kühe so schätzt.
“Kühe rülpsen Methan” 25 mal klimaschädlicher als CO2. Dennoch sind Rinder unverzichtbar für die Welternährung – durch ihren Beitrag zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und zur Begrenzung des Klimawandels: In nachhaltiger Weidehaltung haben Wiederkäuer das Potenzial, Kohlenstoff als Humus im Boden zu speichern.

Die höchsten Emissionen gehen von der synthetischen Düngung der großen Monokulturen Mais und Sojabohnen aus. Sie verbraucht viel Energie und setzt Lachgas frei – 295 mal klimaschädlicher als CO2.

Kühe, Schafe und Büffel können in Symbiose mit ihren Pansenmikroorganismen Weidefutter zu Milch und Fleisch umwandeln. Deshalb sind sie prädestiniert zur Nutzung derjenigen Böden, die nicht beackert aber durch Beweidung vor Erosion geschützt werden können. Aber statt dessen werden sie mit Kraftfutter aus Mais, Soja und Getreide zu Nahrungskonkurrenten der Menschen gemacht. Milch und Fleisch aus Intensivproduktion sind nur scheinbar billig. Die Rechnung kommt später. Denn Monokulturen verdrängen die biologische Vielfalt und die CO2-Speicher: das Grünland und den (Regen-)Wald.

Je mehr Menschen auf der Erde leben, desto wichtiger wird die Bodenfruchtbarkeit zur Sicherung der Ernten bei gleichzeitiger Begrenzung klimawirksamer Emissionen. Aber das agroindustrielle System heizt den Klimawandel an und erhöht dadurch die Risiken für die Welternährung dramatisch. So haben die Böden Nordamerikas in den vergangenen 100 Jahren mehr als ein Viertel ihrer Fruchtbarkeit verloren.

Dieses Buch stellt die Systemfrage und bietet weit mehr als die Rehabilitierung der Kuh: Es belegt die Multifunktionalität des Boden-Pflanze-Tier-Komplexes in der nachhaltigen Landwirtschaft, nennt die wissenschaftlichen Fakten und lässt Menschen zu Wort kommen, die mit dem Wissen des 21. Jahrhunderts wieder auf die symbiotischen Potenziale der Weidewirtschaft mit Kuh und Co. setzen.

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